Autor: Michael Zühlke Genre: ,
Bewertung

Klappentext

“Er hatte 4888 Frauen.
Im Alter von 20 Jahren stand Michael Zühlke zum ersten Mal bei einem Pornodreh vor der Kamera. Seine enorme Potenz, aber auch seine eindrucksvollen 23,5 Zentimeter machten ihn in der Branche und darüber hinaus bekannt. Bis heute hat er als Darsteller und Produzent an über 2300 Filmen mitgewirkt und wurde dafür mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
In seiner Autobiografie gewährt Michael Zühlke tiefe Einblicke in das deutsche Erotikgewerbe und berichtet von seinen verrücktesten, schlimmsten und heißesten Erlebnissen auf dem Filmset. Auch nach Drehschluss vergnügt sich der Pornodarsteller am liebsten mit Sex: als Gigolo, auf Gangbangs, im Swingerclub oder ganz privat im eigenen Bett.
Das Leben als Pornostar hat nicht nur Höhepunkte: Viele von Zühlkes Liebesbeziehungen sind an seinem Beruf gescheitert, seinen Sohn sieht er nur selten, Freunde wandten sich ab. Offen und ehrlich berichtet Michael Zühlke alias Pornfighter Long John vom Glück und Leid, ein Sexsymbol zu sein.”

Mein Fazit:

Das Buch beschreibt die Arbeit und das Leben eines Mannes, der seinen Lebensunterhalt als Darsteller in pornografischen Filmen bestreitet. Die Biographie beginnt mit den ersten sexuellen Erlebnissen seiner Jugend und endet mit dem Scheitern seiner letzten Beziehung. Zu diesem Zeitpunkt ist der Protagonist runde fünfunddreißig Jahre alt. Ergänzt wird die Biografie durch zusätzliche Kapitel, die dem Leser die Person des Schreibers näher bringen. Ganz am Ende findet man sogar einen Bildteil, der das Werk auf sympathische Art abrundet.

Schrittweise taucht der Leser des Buches in eine Welt ein, die den meisten wohl fremd und bizarr erscheint. Ehrlich, ohne Schnörkel und beschönigende Worte, wird von dem harten Leben in der Szene und am Drehort berichtet. Manche Stellen sind amüsant, witzig und unterhaltsam. Andere Kapitel hingegen erregen Ekel und Widerwillen, manchmal bis zum Überdruss. Sensibel und reflektiert wird aufgezeigt, wie der Autor seine Arbeit empfindet und wie seine Umwelt auf diesen vorurteilsbehafteten Beruf reagiert. Auch das Verhältnis zu seinen Partnerinnen, die er abseits von seinem Beruf hat, wird beleuchtet.

Nun mag mancher sagen, das Buch besteht doch zur Hauptsache nur aus einer Aneinanderreihung von Berichten darüber, wie derartige Schmuddelfilme entstehen. Ein anderer sieht vielleicht lediglich die unerhörte Frivolität, die da wie selbstverständlich dargestellt wird. Ich selber sehe hinter dem Text den Menschen, der sein Leben in sorgfältig ausgewählten Szenen einem interessierten Publikum präsentiert. Seine große Leidenschaft ist Sex, er erwähnt es mehrfach. Wen wundert es, dass er diese Neigung zu seinem Beruf macht? Und wen erstaunt es, dass so eine Tätigkeit nicht immer nur reine Freude ist? Knochenarbeit ist es zuweilen. Und auch, wenn die sexuelle Vereinigung für die meisten Menschen pure Lust ist, für die Darsteller eines erotischen Filmes sieht die Welt anders aus. Spätestens nach der Lektüre dieses Buches wird man jedes pornografische Werk mit völlig anderen Augen betrachten, das ist gewiss.

Soweit also ein gelungenes Buch, könnte man sagen. Vom Inhalt her ja, aber leider ist die Sprache teilweise unangemessen frivol. Fachwörter werden ohne Erklärung benutzt, der zeitliche Ablauf ist nicht immer kontinuierlich, und auch Grammatikfehler fallen unangenehm auf. Wirklich ärgerlich sind Nachlässigkeiten, die dem Autor beim Schreiben unterlaufen sind. Sprünge und Ungereimtheiten durchziehen manche Kapitel, so als ob sie nie ein Lektorat erfahren hätten.

Ich möchte diese Kritik mit zwei Empfehlungen beenden. Die erste Empfehlung geht an den Autor und den Verlag. Bitte, überarbeitet den Text noch einmal und legt das Buch in einer zweiten Auflage auf. Der Inhalt ist es wert! Die zweite Empfehlung geht an den potentiellen Leser. Bitte, kauft das eBook, ignoriert die sprachlichen Schwächen und konzentriert Euch auf den Text. Der Inhalt ist es wert!

Alles im allen vergebe ich vier von fünf Sternen.